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Herzlich willkommen auf der Internetseite des Eifelverein Ortsgruppe Gillenfeld

Rastplatz "Hudebuchen"

Hudebuchen Abb4aInfo- und Rastplatz „Hudebuchen“
Von Günter Schenk

Fährt man von Gillenfeld die Landesstraße Nr. 16 in Richtung Lutzerath, so zweigt in Höhe des Pulvermaares am so genannten „Großen Graben“ der Weg zu den Aussiedlungsgehöften „In Rott“ ab. Folgt man dem Weg, so stößt man nach zweihundert Metern auf zwei gewaltige Buchen - das Naturdenkmal „Hudebuchen bei Gillenfeld“, so die offizielle Bezeichnung.

Doch wer nimmt sie schon wahr? Der Radfahrer ist schnell vorbei und der Wanderer eventuell im Plausch oder in Gedanken passiert ebenso unbeachtet diese außergewöhnlichen Bäume. Dass sie überhaupt noch als Solitäre in ihrer Charakteristik erkennbar sind, ist der Gillenfelder Eifelvereinsortsgruppe zu verdanken, die sie in mehreren Aktionen von konkurrierendem Bewuchs freigestellt und damit die Arbeit der Schafe übernommen hat, die das in früheren Zeiten erledigt haben.

Die Hudebuchen
Rund 100 Meter überdeckt die Kronentraufe im äußersten Radius

Hudebuchen Abb2Foto: Günter Schenk

Knapp sechs Meter beträgt der Stammumfang der östlichen Hudebuche. Eine Skulptur für sich!

Hudebuchen Abb2aFoto: Günter Schenk

Und damit sind wir bei der – für viele nichts sagenden - Bezeichnung „Hudebuchen“.

Bei den älteren Gillenfeldern jedoch waren und sind es seit jeher die „Retsch-Beem“, die den Namen von der dortigen Flurbezeichnung „Retsch“ (= steiler Hang, oder steiler Weg) ableiten.

Doch bleiben wir bei der offiziellen Bezeichnung „Hudebuchen“ und erkunden deren Bedeutung.

Der Begriff „Hude“ leitet sich von „Hut“ oder „Hüten“ ab und hat mit der Waldweide zu tun, die in früheren Zeiten vielfach praktiziert wurde. Durch das Eintreiben des Viehes (Schafe, Ziegen, Schweine), welches die nachwachsende Flora abweidete, konnten die bestehenden Bäume ohne lästige Konkurrenz aufwachsen und frühzeitig ihre Krone voll entfalten.

In Gillenfeld waren es Schafe, die diesen Effekt zugunsten der „Retsch-Beem“ erzielten. Ältere Gillenfelder erinnern sich, dass der Gemeindeschäfer mit seiner Herde oft zur Mittagszeit im Schatten der großkronigen Bäume rastete. Eingeprägt hat sich die Erinnerung aus dem Umstand, dass sie als Kinder dem Schafhirten das Mittagessen nach dort bringen mussten. Diese Verpflichtung wechselte wöchentlich unter den Familien der Schafhalter, deren es früher in Gillenfeld an die zehn gab. Es waren Bauern, die neben ihrem sonstigen Vieh auch fünf bis zehn Schafe hielten. Für einen eigenen Schafhirten waren das zu wenig – und so war ein Gemeindeschäfer engagiert, der auch seine eigene kleine Herde hatte. Lange Zeit war das in Gillenfeld Matthias Kaspar (Uster Mattes). 1887 geboren, hatte er im 1. Weltkrieg den rechten Arm verloren. In der damaligen Zeit blieben dem Behinderten wenige Erwerbsmöglichkeiten, sodass er als Schafhirte das Brot für sich und seine Familie verdiente.

Mit Ausnahme der strengen Wintermonate zog er morgens durch das Dorf, und auf das Zeichen seiner Trillerpfeife ließen die Bauern ihre Schafe auf die Straße, die sich zu der Gemeinschaftsherde mit an die hundert Tieren vereinigten und den Tag über auf Gemeindeflächen in Feld und Wald weideten.

Der Gemeindeschäfer Matthias Kaspar (Uster Mattes) mit seiner Herde am Pulvermaar in den 1940er Jahren

Hudebuchen Abb3aFoto: Archiv Gemeinde Gillenfeld

Neben der Trillerpfeife erschallte im Ort auch ein Horn, mit dem der Schweinehirte (Sejiat) sich ankündigte. Auch Schweine wurden in den Sommermonaten in einer Gemeinschaftsherde ausgetrieben, meist in den Wald zur Eicheln- oder Bucheckernmast. Nikolaus Reth übte dieses Amt bis in die Jahre des 2. Weltkrieges aus. Ob er seine Schweine bei einer starken Bucheckernmast auch unter den „Retsch-Beem“ weidete und rastete ist nicht belegt, aber anzunehmen.

Die gemeinsame Schäferei endete Anfang der 1950er Jahre, als Matthias Kaspar aus Altersgründen das Hirtenamt nicht mehr wahrnehmen konnte.

Unter dieser Konstellation - kein konkurrierendes Unterholz und gute Düngung durch die Tiere - wuchsen die beiden Buchen zu stattlichen Bäumen mit einem besonderen Habitus heran, was bereits 1938 dazu führte, dass sie unter Naturschutz gestellt wurden. Die damalige Rechtsverordnung attestierte den Bäumen ein Alter von 200 Jahren. Addiert man den Zeitraum von 1938 bis heute hinzu, sind wir bei annähernd 300 Jahren, ein für die Rotbuche (Fagus Sylvatica) außergewöhnlich hohes Alter.

Es ist also schon etwas Besonderes, was wir mit diesen beiden monströsen Bäumen zu bieten haben und es wäre schade, wenn Wanderer, Touristen oder Radfahrer dieses Naturdenkmal unbeachtet passieren, zumal drei Wanderwege und ein Radweg dort entlangführen.

Dem hat die Eifelvereinsortsgruppe Gillenfeld entgegengewirkt und einen Info- und Rastplatz vis à vis der Hudebuchen errichtet. Eine grüne Infotafel erregt schon von weitem die Aufmerksamkeit und erläutert mit Text und Bildern die Bedeutung des Naturdenkmals. Auf den Rastgelegenheiten kann der Naturfreund unter Staunen und Ehrfurcht die Urgewalt der Bäume auf sich wirken lassen, dabei die Zeit vergessen und die Kraft der Jahrhunderte aufnehmen.

Die Planung des Platzes erfolgte in einem Abstimmungsprozess mit der Ortsgemeinde Gillenfeld, der Unteren Naturschutzbehörde und der Natur- und Geopark Vulkaneifel GmbH, die die Infotafel erstellte und auch die überwiegenden Kosten daran trägt. Die verbleibenden und sonstigen Kosten, die sich durch ein hohes Eigenleistungspotenzial in Grenzen halten, trägt die Eifelvereinsortsgruppe.

Das fertige Werk!

Hudebuchen Abb4aFoto Günter Schenk

Für die Eigenleistungen stehen primär vier „junge Burschen“ des Eifelvereins (alle Ü 70), die in zwei ganztägigen Arbeitseinsätzen den Platz in der vorliegenden Form gestalteten, wobei Marco Bauer bei den Ausschachtungsarbeiten pp. maschinelle Unterstützung leistete. Das gemeinsame Arbeiten, bei dem alles stimmig Hand in Hand ging, machte Spaß, und nachdem dann auch das Ergebnis positiv gewertet und gelobt wurde, waren wir rundum zufrieden.

Interessant auch die Gespräche mit den erstaunlich vielen Wanderern und Radfahrern während unserer Arbeiten, die sich für die Hinweise und Erläuterungen zu dem Naturdenkmal bedankten und sich bei ihrer nächsten Tour auf den Rastplatz freuten.

Die Akteure vor Ort

Hudebuchen Abb5aV.l.n.r. Dr. Andreas Schüller, Natur- und Geopark Vulkaneifel GmbH, Christiane Rauen, Vorsitzende des Eifelvereins, Ortsgruppe Gillenfeld e.V., Karl-Heinz Schlifter, Ortsbürgermeister Gillenfeld, Ann-Marie Lerch, Natur- und Geopark Vulkaneifel GmbH, die „Macher des Eifelvereins“ Hans-Jürgen Keil, Marco Bauer, Günter Fresinger, Günter Schenk (es fehlt Reinhold Schend) Foto: Anna Rempel

So hat die Eifelvereinsortsgruppe mit dem Info- und Rastplatz einen wertvollen Beitrag zur touristischen Infrastruktur sowie zur Aufwertung der Wander- und Radwege geleistet.

Mich persönlich freut besonders, dass Matthias Kaspers mit seiner Schafherde einen Platz auf der Infotafel gefunden hat. Denn wer hätte gedacht, dass „Uster Mattes“ noch mal - wenn auch nur bildlich - zu den „Hudebuchen“ kommen würde, unter denen er mit seinen Schafen so oft und gerne gerastet hat.

Und wenn wir gerade etwas in die Historie gerutscht sind, ist da noch etwas Interessantes – und zwar die Flurbezeichnung „Hinterm Heiligenbaum“, die dem Distrikt östlich der Retsch zugeordnet ist. Die ältesten Gillenfelder erinnern sich, dass in etwa dort, wo jetzt der Rastplatz entstanden ist, in ihrer Jugend noch Fragmente eines gewaltigen Baumstumpfs zu erkennen waren und ihre Väter und Großväter dabei vom „Heiligenbaum“ sprachen, der dem Flurbereich den Namen gab. Wie können wir das werten?

Christen haben keine Bäume als heilig angebetet oder darin Gottheiten gesehen. Es sei denn, dass ein Heiligenbildnis mit einem Baum in Verbindung gebracht wurde, so wie die Ursprünge des Stejipen-Heiligenhäuschens, als Pilger in einer Baumhöhle eine Marienstatue als Gebetsstation aufstellten.

In unserem Fall ist es aber auch durchaus denkbar, dass die Bezeichnung „Heiligenbaum“ auf keltische Zeiten zurückgeht. Bäume waren für die Kelten heilige Symbole, Quellen der Weisheit und Verkörperungen von Göttern, oft verehrt in natürlichen Baumheiligtümern, wobei die Eiche für die Kelten der heiligste Baum war, eng verbunden mit dem Himmelsgott Taranis und der Ursprung des Wortes „Druide“. Eichen können zwar sehr alt werden, einzelne Exemplare über 1000 Jahre, jedoch aus keltischer Zeit kann der Baumstumpf nicht gestammt haben.

Aber auch die frühen Franken verehrten vor ihrer Christianisierung (um 496 n. Chr.) Naturheiligtümer und in manchen Fällen setzte sich deren Verehrung auch weiterhin fort.

Die Festlegung, auf wen die Flurbezeichnung „Heiligenbaum“ zurückgeht, ist also äußerst schwierig und ebenso offen steht die Frage, ob die Baumreste, die die Alten kannten, tatsächlich dem namensgebenden Objekt zuzuordnen waren.

Egal wie – jedenfalls haben wir neben den „Hudebuchen“ nun am neuen Rastplatz noch einen Dritten im Bunde, einen mystischen „Heiligenbaum“.

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